Warum Klang wichtig ist

von Maria Gerecke

Worte, die laut ausgesprochen werden, klingen vollkommen anders als in unserer bloßen Vorstellung. Ich habe mir angewöhnt, besonders bei lyrischen Texten, jemand anderen laut vorlesen zu lassen. Dabei kommen Ungereimtheiten zum Vorschein, die ich selbst im Schreibprozess nicht wahrnehmen konnte, weil ich in meinem eigenen Klanghorizont gefangen war. Nur weil ein Satz in meinen Ohren gut klingt, muss er nicht zwangsläufig allen anderen gefallen.

Jede Sprache hat ihre eigene, typische Sprachmelodie was Wortwahl, Stil, Tonhöhe, usw. betrifft. Dementsprechend hat jeder Leser eine bestimmte Erwartung an einen Text. Er erahnt bereits, welches Wort als nächstes kommt, bevor er es überhaupt gelesen hat.

 

Es ist wichtig für einen Autor, sich diesen Erwartungen bewusst zu sein, auch wenn sie nicht mit den eigenen übereinstimmen. Außerdem lässt sich spielerisch mit ihnen arbeiten, indem man die Erwartungen begleitet oder durchbricht. Natürlich sollte ein passendes Gleichgewicht gefunden werden, um nicht durch ständige überraschende Wortwahl oder Stilbrüche das Lesevergnügen zu mindern.

 

Tipp: Der charakteristische Klang eines Textes lässt sich am besten über die Wahl der Adjektive steuern!

 

 

 

 

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