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Prekäre Verhältnisse auf dem Buchmarkt? Warum es sich trotzdem lohnt, einen Kleinverlag zu gründen

Was macht eigentlich ein Historiker, der nicht in die Schule und nicht dauerhaft in die Forschung will? Als Freiberufler arbeiten! Irgendwie war das für mich ein logischer Schluss, als mich im Frühjahr 2015 die Idee packte, einen Nebenverdienst mit einem eigenen kleinen Verlag aufzubauen.

 

Das Stichwort ist hier „Nebenverdienst“, reich wird man als Betreiber eines solchen nämlich definitiv nicht. Es sei denn, man hat viel Glück. Aber das ist ja irgendwie immer so.

 

Warum nun aber einen Verlag? Die Antwort ist denkbar simpel: Weil ich Bücher liebe. Punkt, das war es dann auch. Zumindest fast. Ich lese gern, darüber hinaus finde ich es wichtig, seinen eigenen Fachbereich zu fördern. In meinen fünf Jahren an der Leibniz Universität habe auch ich irgendwann festgestellt, dass die Aussichten für den wissenschaftlichen Nachwuchs nicht die besten sind. Das wird sich natürlich durch den Verlag in keiner Weise ändern. Trotzdem will ich gerade diesen jungen Forscherinnen und Forschern die Möglichkeit zur Publikation ihrer Arbeiten bieten. So weit, so gut. Wie geht man die Sache jetzt aber an?

Verleger werden ist eigentlich ganz einfach. Einen kurzen Gang zum Gewerbeamt, eine kleine Summe bezahlen, ein paar Formulare ausfüllen und fertig ist der selbstständige Büchermacher. Dahinter steckt natürlich eine ganze Menge mehr und im Vorfeld sollten sich einige Gedanken hinsichtlich Finanzierung, Rechtsform, Steuern und Versicherungen gemacht werden. Grundsätzlich aber ein ganz simpler Vorgang. Ist das Gewerbe, das vorher noch mit einem ansprechenden Namen versehen werden will, erst einmal angemeldet, kann es eigentlich schon losgehen. Nur wie?

 

Zunächst fehlt es an einer Webpräsenz, eine Homepage muss her. Auch das ist schnell gemacht. Was aber noch dringender fehlt, sind Bücher. Also muss geworben werden. Das stellte sich in meinem Fall nun schon etwas schwieriger dar. Hier hilft ein Netzwerk an der Uni – Leute kennen, die wiederum andere Leute kennen, die eventuell einen Interessierten an der Hand haben. Nach einiger Zeit steht der erste Vertrag, das erste Manuskript trudelt ein, es kann richtig losgehen. Wie sieht der Alltag eines Kleinverlegers nun aus?

 

Arbeit. Viel Arbeit. Aber es lohnt sich! Manuskripte sichten, lektorieren, layouten. Schnell stellt man fest, dass – gerade im wissenschaftlichen Bereich – eine Person allein schlicht überfordert ist. Man baut sich also ein weiteres Netzwerk auf; Freundinnen und Freunde verschiedenster Fachbereiche, die lektorieren, Cover erstellen, layouten und Freude an freiberuflicher Tätigkeit haben. Ich möchte meinen Stundenlohn nicht ausrechnen, das würde wahrscheinlich zu großer Traurigkeit führen. Aber eigentlich kommt es darauf auch nicht wirklich an. Die Arbeit lohnt sich trotzdem, denn ich arbeite mit tollen Menschen zusammen, die tolle Bücher schreiben. Auch wenn ein Verlag nicht reicht macht und wahrscheinlich jeder kleine Verleger mindestens einen weiteren Beruf ausübt – es lohnt sich!

 

Jan Niklas Meier